Selbstständig durch Masterplan – TEIL 1:

Seit zwei Monaten darf ich nun bereits meinen Traum leben und selbstständig als Fotografin arbeiten. In dieser Zeit ging es mir so gut wie schon lange nicht mehr – und warum? Weil ich meinen ZDE gefunden habe. ZDE was?


Jeder, der das Buch “Das Café am Rande der Welt” gelesen hat, weiß, was damit gemeint ist. “ZDE” bedeutet den Zweck der Existenz gefunden zu haben. Und ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass ich meinen ZDE ganz selbstständig gefunden habe und ihn nun immer weiter kennenlerne und ausbaue.

Hast Du auch schon Deinen ZDE gefunden?
Hast Du auch schon Deinen ZDE gefunden?

Daher möchte ich mit diesem Artikel einen Überblick geben, was auf meiner ToDo-Liste stand, als ich wusste, dass ich selbstständig als Fotografin arbeiten möchte. Denn auch wenn ich schon bis dahin gute sieben Jahre nebenberuflich als Fotografin gearbeitet habe, ändert sich doch so einiges.

Dich interessiert, wie alles angefangen hat? Dann hier entlang!

TEIL 1 wird die ersten Basics behandeln, um Dich nicht direkt umzuhauen. TEIL 2 wird dann ein wenig die Feinarbeit behandeln. So stay tuned.

Von Krankenkasse bis Rente – nun liegt alles in deinen Händen.

Meine Pläne wurden Ende 2017 konkret und ich spürte immer mehr, dass ich mich an einem Punkt in meinem Leben befand, der Veränderung brauchte. Ich entschied 2018 zu DEM Jahr zu machen und schrieb im Dezember auf, was ich alles angehen möchte. Hier der erste Teil meiner Liste:

→ sich ab dem 01.01.2018 umsatzsteuerpflichtig melden
→ Abgabe der Steuererklärung: Wann und wie oft?
→ Thema Steuererklärung: Gibt es eine gute Software?
→ Info an die Krankenkasse geben
→ Künstlersozialkasse?
Gewerbe ummelden
→ Versicherungen beachten: Berufshaftpflicht, Equipment & BU
→ Thema Rentenvorsorge: was mache ich für meine Zukunft?

Wie Du schon siehst, bereits der erste Teil der Liste war lang und hinter jedem einzelnen Punkt befand sich eine Menge, die beachtet werden musste. Aber ich hatte Lust und zwar so richtig! Also begann ich Schritt für Schritt, diese Liste abzuarbeiten.

Bye Bye Kleinunternehmerregelung

Mit dem Start meiner Selbstständigkeit wollte ich mich auch von der Kleinunternehmerregelung verabschieden. Denn ich will etwas Großes, etwas “Richtiges” und daher entschied ich mich, ab dem neuen Jahr 19 % Umsatzsteuer zu erheben. Das war bereits der erste kleine Schritt und es ging noch nicht mal richtig los. Ich stattete dem Finanzamt also einen Besuch ab und meldete mich umsatzsteuerpflichtig. Wochen später durfte ich dann auch merken, dass eine zusätzliche schriftliche Anmeldung sicherer ist, nachdem ich am Telefon gesagt bekommen habe (sehr nett und freundlich, das muss ich betonen!), dass die Info noch nicht ganz angekommen war. → Also Tipp von mir: Immer alles schriftlich an die Ämter senden und Dein Schreiben für die Akten kopieren. So bist Du auf der sicheren Seite.

Mit dieser Anmeldung habe ich mich parallel dazu verpflichtet, monatlich eine Umsatzsteuer-Voranmeldung abzugeben. D. h. ich setze mich jetzt jeden Monatsanfang hin und teile dem Finanzamt mit, welche Einnahmen und Ausgaben vorliegen – simple Buchhaltung. Die einen mögen es lästig finden, ich finde es sehr gut! Denn Du hast alles im Überblick und siehst die Entwicklung Deines Unternehmens. Zusätzlich leistest Du bereits erste Vorarbeit für die Einkommensteuererklärung, die für das gesamte Jahr fällig ist. Denn Du notierst ja schon regelmäßig, wie sich die Finanzen so verhalten. 😉

Hier auch der nächste Tipp: Es gibt zahlreiche Software-Produkte auf dem Markt, die Dir bei der Steuererklärung ungemein helfen. Ich bin sehr dankbar, mit einer solchen Software arbeiten zu können, da es einem ein sicheres Gefühl gibt und eine Menge erklärt. Einen aktuellen Vergleich möglicher Programme findest du hier.

Selbstständig und glücklich.
Selbstständig und glücklich.
Krankenkasse – im Fall der Fälle merkst Du die Notwendigkeit

Der wohl dickste Fisch unter den ToDos… ein Punkt, der mir bis dato immer wieder etwas schräg im Magen liegt. ABER – es ist wohl das mit wichtigste Thema! Denn im Fall der Fälle merkst Du, wie gut es ist, richtig krankenversichert zu sein.

Ich habe Anfang des Jahres einfach mal bei meiner Krankenkasse angerufen und denen erzählt, dass ich mich bald selbstständig machen möchte. Parallel hat mir der nette Herr dann auf deren Webseite die entsprechenden Formulare herausgesucht, die ich ausgefüllt verschicken sollte. Ging alles super einfach und schwupps wusste meine Krankenkasse, was los ist. Ich musste dann nur noch mein durchschnittliches Monatsgehalt einschätzen, von dem der monatliche Beitrag dann abhängig ist. Klingt toll – außer, dass es in meinem Fall jetzt keinen Arbeitgeber gibt, der 50% davon übernimmt. Und die monatlichen Fixkosten betragen hier mehrere hundert Euro, was ja wohl kein Geheimnis ist. Da gibt es aber noch den Joker namens Künstlersozialkasse (KSK).

Diese unterstützt in vielen Fällen Künstler und ersetzen in diesem Fall den Arbeitgeber. Als Fotograf ist es allerdings gar nicht so einfach, von der KSK unterstützt zu werden, da der Spalt zwischen Künstler und Handwerker sehr schmal ist. Ich warte noch immer auf das endgültige Urteil und muss erst mal damit rechnen, dass ich den gesamten Beitrag selbstständig bezahlen muss. Aber auch das sollte einen nicht einschüchtern. Wir sollten uns immer wieder vor Augen führen, WOFÜR wir unsere Beiträge zahlen. Und dass wir einfach so zum Arzt gehen können, unsere Karte durchziehen und bestens versorgt werden, ist nicht überall auf der Welt so selbstverständlich. Dass eine Behandlung mal mehrere tausend Euro kostet, ist keine Seltenheit. Von daher sei hier lieber ganz entspannt und kalkuliere immer wieder Deine gesamten Fixkosten durch. Das gibt Dir einen Überblick und lässt solche Kosten nicht zum Problem werden.

Ein Arbeitszimmer, eine Adresse – das Unternehmen bekommt ein Zuhause

Da ich die Jahre zuvor hauptsächlich in meiner alten Heimat fotografiert habe, hatte ich mein Gewerbe noch in Schleswig-Holstein gemeldet. Das sollte sich jetzt ja aber ändern, d. h. ich muss auch meine Geschäftsadresse ändern. Eine reine Ummeldung ist in diesem Fall nicht möglich. Also: Gewerbe in Schleswig-Holstein abmelden und in Niedersachsen anmelden. Und auch hier muss ich sagen, dass ich von den Ämtern wirklich überrascht war! Alles ging reibungslos innerhalb einer Woche über den Tisch.

Safety First – die Must Haves der Versicherungen

Wir müssen uns nichts vormachen – heutzutage kann man sich gegen jeden blauen Fleck versichern lassen. Aber da sind schon ein, zwei Versicherungen, die Du brauchst, wenn Du selbstständig arbeitest. In meinem Fall waren das einmal die Berufshaftpflicht und eine Equipment-Versicherung. Jaaa, Schande über mein Haupt. Die Jahre zuvor habe ich sehr risikolastig gelebt und ich habe mich erst jetzt darum gekümmert.

Mit meinem Versicherungsmakler bin ich einige Angebote durchgegangen und zusammen haben wir dann das Beste für mich gefunden. Lasst Euch da bloß gut beraten und vergleicht! Es gibt so viele Fehlerquellen, die leicht zu übersehen sind und im Schadensfall nachher einiges ausmachen.

Dann gibt es natürlich noch die Berufshaftpflicht (BU). Da ich diese bereits in meinem alten Job unterschrieben habe, war das Thema bereits für mich abgehakt – zum Glück! Eine gute BU ist so organisiert, dass auch ein Branchenwechsel keinerlei Auswirkungen auf die Beiträge hat. Hätte ich mich erst jetzt um das Thema gekümmert, wäre es sehr schwer bis unmöglich für mich gewesen, gut gegen die Berufsunfähigkeit versichert zu werden. Als Fotograf ist das Risiko einfach unfassbar hoch, berufsunfähig zu werden, da Dein ganzer Körper im Einsatz ist. Eine Ablehnung nach der anderen ist da schon möglich, oder Du zahlst monatlich unendlich hohe Beiträge. Von daher kümmere Dich am besten so früh wie möglich um die BU! Das Gerede darum ist keine heiße Luft, sondern wirklich wichtig.

Im ALter? Da will ich keine Fenster putzen müssen.

… und das ist gar nicht so witzig. Denn wenn wir alle mal ehrlich sind, macht einen der Gedanke ans Alter manchmal etwas Angst. Da ist nicht nur die eingeschränkte Mobilität und das Kränkeln an jeder Ecke, sondern auch die Altersarmut, die bereits heute ein großes Thema ist. Und unsere Generation wird es vermutlich noch viel schwieriger haben. Daher ist eine frühzeitige Rentenvorsorge essenziell. Auch ich habe mich erwischt, wie ich erst mit den Augen rollen musste. Denn da geht monatlich ein gewisser Batzen Geld vom Konto und man sieht keinen direkten Nutzen darin. Aber hey! Würden wir das Geld nicht beiseite legen, sieht es später ganz schön schwarz aus.

Ich persönlich habe mich für die Rürup-Rente entschieden. Für Selbstständige eine feine Wahl, da es hier steuerliche Vorteile gibt. Auch hier informiert Euch am besten bei jemanden, der richtig Ahnung vom Fach hat und dem Ihr vertraut. Das zahlt sich aus, auch Jahrzehnte später! Selbstverständlich gibt es zusätzlich noch weitere Möglichkeiten, wie man seine späteren Fixkosten gering halten kann. Auf einer einzelnen Versicherung ausruhen ist meistens nur die halbe Miete.

Nichtsdestotrotz sollten wir natürlich auch den Moment leben und nicht jeden Penny im Sprint auf das Sparbuch bringen. Man weiß nie, ob man seine Rente erleben wird. Dafür haben wir das Leben einfach nicht in der Hand. Aber das Ziel jedes Einzelnen ist es doch irgendwo, zufrieden im Alter leben zu können, oder? Von daher muss jeder für sich seinen goldenen Mittelweg finden.

Organisation ist das halbe Leben

Wie Du schon siehst, macht es Sinn, einen Punkt nach dem anderen abzuarbeiten. Das Gefühl danach ist wundervoll! Du fühlst Dich sicherer und bist super motiviert, in die Selbstständigkeit zu starten.

Dazu muss ich noch sagen, dass einem das Ganze hier natürlich nicht geschenkt wird, nur weil Du jetzt selbstständig bist. Für jeden Schutz, jede Genehmigung und für jede Garantie will das Land Geld sehen. Daher empfehle ich definitiv, früh genug mit dem Sparen anzufangen. Sparen ist generell ein Thema, was in der Selbstständigkeit ganz weit oben unter den Prioritäten steht. Einen finanziellen Puffer zu besitzen, beruhigt einen nicht nur, sondern kann einen in brenzlichen Situationen auch das “Leben retten”.

Zu guter Letzt wie immer der Hinweis, dass die hier aufgeführten Punkte meine eigens gesammelten Erfahrungen sind. Jeder sieht vereinzelte Themen vielleicht ganz anders, wenn man selbstständig unterwegs ist und das ist auch vollkommen in Ordnung. In allen Fällen ist es jedoch immer besser, sich an Profis zu wenden. Seien es Versicherungsmakler, die Kassen direkt oder die Ämter. Überall bekommt man wundervolle Hilfe, wenn man selbst immer nett und freundlich bleibt.

TEIL 2 wird dann noch ein paar Details behandeln, wie die Themen Fahrtenbuch, Organisation auf dem Schreibtisch, professionelle Datensicherung oder auch den Aspekt der Erarbeitung einer eigenen Unternehmensphilosophie und Marketingstrategie.

#clickwithlove 

2 Antworten auf „Selbstständig durch Masterplan – TEIL 1:“

  1. Hey Leevke, schöner Text! Ich beobachte deinen Sprung in die Selbstständigkeit bei Instagram und jetzt auch hier im Blog und finde das sehr spannend. Ich mache selbst viel Medienproduktion und Design-Geschichten (und eine Weile lang Fotos) freiberuflich, aber nur neben meinem festen Job. Da ist es umso spannender, deine Schritte hier zu sehen. Alles Gute!

    1. Hallo Daniel,

      danke für Deine Zeit, dass Du hier einen Kommentar verfasst hast! Und auch, dass Du jetzt meinen Blog ließt. Das ist wirklich klasse und freut mich sehr. Medienproduktion und Design-Geschichten klingt großartig und dass Du das bereits freiberuflich durchführen kannst, ist doch wunderbar! Wenn ich Dir hier mit meinen Beiträgen irgendwo helfen kann, freue ich mich wahnsinnig. 🙂

      Liebe Grüße
      Leevke

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